Die Gestaltung des Übergangs am Gyko
Um den großen Sprung von der Grundschule zu unserem Gymnasium so gut wie möglich abzufedern, haben wir folgende Elemente entwickelt:
Teamtage
Der erste Schritt in eine neue Schule ist ein großer – und genau deshalb beginnt bei uns das Schuljahr für die neuen Fünftklässlerinnen und Fünftklässler nicht mit einer Flut von Fachunterricht, sondern mit unseren Teamtagen: drei aufeinanderfolgende Tage, an denen die neuen Klassen ganz bei sich selbst und ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern sind. Fachunterricht tritt in dieser ersten Schulwoche bewusst in den Hintergrund, damit Raum entsteht für das, was am Anfang wirklich zählt: sich kennenzulernen, als Klasse zusammenzuwachsen und in der neuen Schule anzukommen.
Dass diese drei Tage ganz in der Hand der Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer liegen, ist kein Zufall, sondern Ausdruck dessen, was uns wichtig ist: Beziehung entsteht nicht nebenbei, sondern braucht bewusst geschaffene Zeit. Ob beim gemeinsamen Spielen, beim Erproben erster Regeln für das Miteinander in der Klasse oder bei kleinen Übungen zum gegenseitigen Kennenlernen – die Kinder erleben von der ersten Stunde an, dass ihre Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer für sie da sind und dass ihre neue Klasse ein Ort ist, den sie mitgestalten. Genau dieses Vertrauen ist die Grundlage, auf der wir in den folgenden Jahren aufbauen – in der Freiarbeit und im ganz normalen Schulalltag.
Bedeutung des Klassenleitersystems
Dass unsere Teamtage von den Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern selbst gestaltet werden, hat einen einfachen Grund: Sie sind für unsere Schülerinnen und Schüler die wichtigsten Bezugspersonen an der neuen Schule. Jede Klasse der Erprobungsstufe wird von einem Klassenlehrerteam betreut, das die Kinder durch viele Stunden der Woche begleitet – im Fachunterricht ebenso wie in der Sozialstunde und der Freiarbeit. In der Freiarbeit sind sogar beide Klassenlehrerinnen bzw. Klassenlehrer gemeinsam anwesend: So können sie die Kinder individuell begleiten, kleine Gruppen bilden und flexibel auf einzelne Bedürfnisse eingehen.
Diese enge und kontinuierliche Begleitung ist bewusst so gewählt, denn Beziehung braucht Zeit – Zeit, die Kinder in ihren unterschiedlichen Facetten kennenzulernen, ihre Stärken zu entdecken und ihre Eigenheiten zu verstehen. Wer sich in der neuen Schule schnell mit vielen unterschiedlichen Gesichtern und Fächern konfrontiert sieht, findet in seinen Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern zwei feste, verlässliche Ansprechpersonen wieder. Denn nur wer sich sicher und gesehen fühlt, kann sich auch öffnen und wirklich Neues lernen. Das Klassenleitersystem ist damit ein zentraler Baustein dafür, dass der Übergang von der Grundschule gelingt.
Freiarbeit am GyKo
Freiarbeit am GyKo
„Freiheit bedeutet nicht, dass man tut, was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein.“ – Maria Montessori
Eine vorbereitete Lernumgebung
Eine vorbereitete Lernumgebung ist uns besonders wichtig. Das bedeutet, dass wir Räume schaffen, in denen sich Ihre Kinder wohlfühlen können – Räume, die nicht nur physisch, sondern auch emotional vorbereitet sind. Ein gut gestaltetes Klassenzimmer, das sowohl funktional als auch ästhetisch ansprechend ist, bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich zu konzentrieren und kreativ zu sein. Doch es geht um mehr als Möbel und Materialien: Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der jedes Kind sich gesehen und wertgeschätzt fühlt. Ein freundliches Wort, aufmerksames Zuhören und das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse tragen dazu bei, dass sich die Kinder sicher und geborgen fühlen – denn nur wer sich sicher fühlt, kann sich auch öffnen und Neues lernen.
Freiarbeit nach Montessori
Unsere Freiarbeit ist an die Montessori-Pädagogik angelehnt, entspricht dieser aber nicht in Reinform. In der Freiarbeit geht es vor allem darum, die Kinder auch einmal „von der Leine zu lassen“ und zu schauen, was sie aus eigenem Antrieb und mit eigenem Ideenreichtum bewegen – dabei kommen meist erstaunliche Dinge zustande. Freiarbeit am GyKo bedeutet, dass die Kinder frei wählen können, mit welchen Inhalten, Themen oder Materialien sie sich in einem selbst festgelegten Zeitrahmen beschäftigen wollen – natürlich in Begleitung der Lehrkräfte, die den Kindern einen strukturierten Rahmen vorgeben. Da die Freiarbeit an unserer Schule fest in unser Förderkonzept eingebunden ist, sind hier zeitliche Grenzen gesetzt. Mit einer ansprechenden, teils spielerisch gestalteten Lernumgebung möchten wir den Kindern helfen, ihre Problemfelder zu minimieren und sich neuen Herausforderungen zu stellen – die Freude am Lernen soll erhalten oder wieder geweckt werden.
Begleitung und Unterstützung
Die Freiarbeit wird von zwei Lehrkräften begleitet, sodass es möglich ist, kleinere Gruppen zu bilden, um bestimmte Inhalte zu wiederholen oder bei Bedarf zu vertiefen. Auch muss nicht ausschließlich der Klassenraum genutzt werden: Kinder, die sich als zuverlässig erwiesen haben, können in dieser Stunde auch andere Lernorte im Gebäude aufsuchen. Es besteht zudem ein enger Kontakt zu allen Fachlehrkräften, sodass auftretende Schwierigkeiten oder besondere Fördermaßnahmen sehr schnell aufgenommen werden können. Von den Fachlehrkräften können außerdem gezielte Übungsmaterialien oder Pflichtaufgaben – etwa zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten – in die Freiarbeit gegeben werden.
Aktive Mitgestaltung durch die Kinder
Die Kinder gestalten die Freiarbeit aktiv mit: Sie können ansprechen, was sie zum Beispiel in Englisch oder Mathematik nicht verstanden haben und wo sie Hilfe benötigen – diese Themen werden dann gezielt mit den entsprechenden Kindern bearbeitet. Ebenso können die Kinder eigene Themenwünsche einbringen, die sie besonders interessieren.
Projektarbeit und soziale Aspekte
Wir führen die Kinder außerdem in die Projektarbeit ein, damit sie möglichst eigenständig fachliche, fachübergreifende und methodische Inhalte zu einem Thema bearbeiten können. Dabei spielen auch die sozialen Aspekte der Freiarbeit eine wichtige Rolle: „Lernen durch Lehren“ ist ein Konzept, das wir bewusst fördern, damit die Kinder Wissen nicht nur aufnehmen, sondern auch weitergeben und dadurch vertiefen.
Ziel der Freiarbeit ist es, die Freude des Kindes an der Arbeit zu bewahren und ihm Wege zu eröffnen, wie es selbstständig lernen kann. Dazu gehört auch, dass es lernt, durchzuhalten und eine einmal begonnene Arbeit zu Ende zu führen. Ein Kind, das diese Fähigkeit erworben hat, wird sich später auch viele andere Wissensgebiete eigenständig erschließen können. Freiheit meint dabei, ganz im Sinne der Montessori-Pädagogik, kein willkürliches Handeln, sondern die Entwicklung einer Persönlichkeit, die sich durch Eigenständigkeit, Fähigkeit zur Selbstbestimmung, Ich-Stärke, Zuversicht und Selbstannahme auszeichnet.
Sozialstunde und Teambuilding
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Sozialstunde. Hier lernen die Kinder sowohl sich selbst besser kennen als auch an allen Aspekten des Teambuildings zu arbeiten. Dies geschieht spielerisch mit Elementen aus der Erlebnispädagogik, wobei besonderer Wert darauf gelegt wird, das Erlebte gemeinsam zu reflektieren. Inhaltlich stützt sich die Sozialstunde zusätzlich auf Bausteine aus dem Life-Skills-Programm „Erwachsen werden“ nach Lions-Quest – mit Themen wie „Wer bin ich – wer bist du?“, „Gemeinsamkeiten und Unterschiede“, der Einigung auf gemeinsame Verhaltensregeln, der Stärkung des Selbstvertrauens, der Übernahme von Verantwortung und dem Umgang mit Gefühlen.
Des Weiteren wird in der Sozialstunde der Klassenrat als demokratisches Mitbestimmungsinstrument eingeführt, um die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung der Kinder zu stärken. Hier haben die Kinder auch die Möglichkeit, eigene Wünsche oder Anliegen anzusprechen, die sie bewegen. So entsteht eine Klassengemeinschaft als Raum gegenseitiger Wertschätzung – ein positives Lernklima, das dem Eigenen wie dem Anderen Respekt entgegenbringt und kommunikative wie verantwortungsvolle Fähigkeiten fördert, die weit über den Schulalltag hinaus wichtig sind.
Kontakt mit den Grundschulen des Stadtgebietes
Auch nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule bleibt der Kontakt zu den Grundschulen erhalten: In Gesprächen und Konferenzen besteht ein kollegialer Austausch über unsere Fünftklässler. Die intensive Arbeit der Grundschullehrerinnen und ihr Wissen über Ihre Kinder sind außerordentlich hilfreich und wertvoll für die Weiterführung der Arbeit mit Ihren Kindern an unserem Gyko.
Wir freuen uns darauf, Ihre Kinder auf diesem spannenden und wichtigen Weg zu begleiten.
23.09.2026




